Zeitzeugen des Nationalsozialismus aus Belarus für eine Woche in Deutschland

Ein weiteres Vorhaben von EIKOS im zweiten Halbjahr 2014 war die Organisation einer Begegnungsreise von Zeitzeugen aus Belarus nach Deutschland. Diese Menschen hatten während des Nationalsozialismus bereits als Kinder schwere Schicksale zu erleiden: als Gefangene etwa im Minsker Ghetto in Belarus, als Gefangene in Konzentrationslagern in verschiedenen Ländern, und auch als Zwangsarbeiter (Ostarbeiter) in Deutschland.

Ziel dieses Vorhabens sollte es sein, diesen Opfern des Nationalsozialismus einen persönlichen und unmittelbaren Blick auf ein anderes Deutschland zu ermöglichen. Aber vor allem auch jungen Menschen in Deutschland sollte durch die Begegnung mit den Zeitzeugen diese schreckliche Epoche des Nationalsozialismus vor Augen geführt werden.

Mit finanzieller Unterstützung durch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) aus Berlin,  aber auch mit Unterstützung und in enger Kooperation mit der Lebenshilfe Gießen e.V. haben wir nun Anfang November 2014 acht belarussische Zeitzeugen (sieben Frauen und ein Mann) im Alter von Mitte siebzig bis Mitte achtzig plus zwei Begleiterinnen (der belarussischen Stiftung Verständigung) für eine Woche in den Raum Gießen und Marburg einladen können. Eine finanzielle Hilfe durch den Ministerpräsidenten des Landes Hessen konnte die Lebenshilfe ebenfalls erreichen.

Die Gäste sprachen beispielsweise in zwei Schulen vor 60 bis 70 Schülerinnen und Schülern der neunten und zehnten Klassen sowie ihren Lehrerinnen und Lehrern jeweils mehrere Stunden über ihre Schicksale, die sie bereits als Kinder im Dritten Reich nicht nur in Deutschland erleiden mussten. Diese Schilderungen haben auf beiden Seiten sehr viele Emotionen hervorgerufen, und besonders bei den jungen Menschen eine große Betroffenheit.

Aber auch Empfänge bei der Oberbürgermeisterin von Gießen und beim Landkreis Marburg-Biedenkopf standen auf dem Programm, eine Einladung durch Mitglieder des Dorfvereins Rauischholzhausen/Ebsdorfergrund, Besuche auf jüdischen Friedhöfen, im Dokumentations- und Informationszentrum des Nationalsozialismus in Stadtallendorf, sowie Besuche und Gespräche in Einrichtungen und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen der Lebenshilfe Gießen.

Erfreulicherweise hatten diese Begegnungen eine hohe Resonanz in der örtlichen Presse, wie der Artikel aus der Oberhessischen Presse unter diesem Link zeigt.